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Werbebranche fordert bessere Ausbildung für 500 Grafik-Lehrlinge in Österreich
Montag, 26.04.2004

In Linz fand auf Einladung des Fachverbandes Werbung+ Marktkommunikation die erste "interdisziplinäre" Koordinationskonferenz über die Lehrberufe Mediendesigner bzw. -techniker statt.
Die Spitzen der Werbe- und Druckbranche sowie der Berufsschulen wollen in Zukunft eine gemeinsam auf die Praxis abgestimmte Vorgangsweise und einheitliche, laufend aktualisierte Ausbildung in Österreich.

Etwa 35 Entscheidungsträger in Sachen Lehrlingsausbildung im Grafikbereich aus ganz Österreich konnten Mag. Sery-Froschauer und Spartengeschäftsführer Gernot Fellinger im Rahmen der OÖ Presidency im Fachverband Werbung am 22.4. in Linz begrüßen. Dieser hatte die Verantwortlichen der Berufsschulen, des Unterrichtsministeriums sowie des Fachverbandes Druck eingeladen. Etwa 400 MediendesignerInnen und 100 MedientechnikerInnen stehen österreichweit zur Zeit in Ausbildung- Tendenz leicht rückläufig.
1998 waren die Lehrberufe- wie der Bundesobmann Druck, KommR Wolfgang Wieder, betonte, hauptsächlich auf seine Branche abgestimmt ins Leben gerufen worden. Da aber der Fachverband Werbung mit 14.000 aktiven Mitgliedsbetrieben heute die Mehrheit der Lehrstellen bereit stellt, will die Kommunikationsbranche ihre Interessen massiv berücksichtigt wissen. Mag. F. Ploner und Manfred Enzlmüller (FG Niederösterreich) verwiesen auf die von ihnen erstellten und vom Fachverband aufwändig finanzierten Ausbildungsunterlagen hin.
Ob diese verwendet werden, ist aber dem einzelnen Lehrer überlassen- die Berufsschulen sind Ländersache, die Freiheit der Lehrer gesetzlich verankert. Zwar existiert die ministeriell ausgearbeitete Ausbildungs- und Prüfungsordnung, dennoch reklamierte der Bundesobmann Werbung, Walter Ruttinger "es kann doch nicht dem Zufall und der Interessenslage jedes einzelnen Lehrers überlassen sein, woher er sein Wissen bezieht und was er vermittelt". Das klare Bekenntnis der Wirtschaftskammer zum dualen Ausbildungssystem bedinge, dass die Wünsche der Arbeitgeber berücksichtigt werden müssen. Genau diesbezüglich, so der stv. Bundesobmann Mag. T. Gams, komme es zu Beschwerden seitens der Betriebe.
Für jede Lehrstelle gebe es massenweise Bewerbungen, aber die Werbebetriebe stellten oft fest, dass die Ausbildung nicht in die jeweils erforderliche Richtung gehe.

MinR Mag. W. Gatty (BMfUK) räumte ein, dass die Approbierung von Literatur "bis zu 5 Jahre dauern kann". Damit wären alle heute aktuellen Unterlagen des Fachverbandes zum Zeitpunkt der möglichen Approbierung längst überholt. Er empfiehlt eine Novellierung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung auf dem Weg der Sozialpartnerschaft.
Fachgruppenobmann Reinhard Ricquebourg präsentierte sein Modell eines "Lehrlingscamps für 3 Tage und 18 BewerberInnen", welches er demnächst in Vorarlberg erstmals veranstalten wird und beklagte, dass in Lehrlingsinternaten "um 9 Uhr das Licht abgedreht und um 10 Uhr Bettruhe - und das bei Erwachsenen mit Maturaabschluss- vorgeschrieben wird".
Dir. L. Rössler (Berufsschule f. Grafik, Wien) ortete ein "buntes Papageiengebiet- jeder der einen Computer einschalten kann, hält sich für einen Mediendesigner". Er mahnte eine verbesserte Abstimmung mit der Fachgruppe Werbung Wien ein, während in den anderen Bundesländern - etwa OÖ - bereits teilweise beste Zusammenarbeit gegeben ist. Die Berufsschule Linz 9 zeigte eine 3-D Animation eines von einem Schülerteam unter Leitung von BS Lehrer Wolfgang Kalchmair konzipierten virtuellen Messestandes, eine Arbeit, die alle Teilnehmer beeindruckte und das vorhandene Potenzial bewies.

Weitere Lehrberufe wie der ministeriell angedachte "Werbeassistent" werden seitens der Kommunikationsbranche abgelehnt. Stattdessen sei eine Anpassung der Ausbildung der bestehenden Berufsbilder an den Bedarf gefragt. So werden die erstellten Fachverbands-Lehrunterlagen österreichweit empfohlen. Bei dem enorm gestiegenen Wissen im Kommunikationsbereich wünscht sich die Branche nach einer einheitlichen Grundausbildung weiterführende Module, etwa für Grafik-Design oder Web-Design etc.
Der Wiener Berufsschullehrer Dietmar Mühl wird jedenfalls die Einrichtung eines Blackboards übernehmen, in dessen Rahmen die einzelnen Lehrer nicht nur die Fachverbands- Skripten, sondern auch selbst konzipierte Lehrbehelfe als Vorschläge ins Internet stellen bzw. abrufen können. Dies sei ein erster Schritt, zukünftig will der Fachverband Werbung + Marktkommunikation in kürzeren Abständen Koordinationskonferenzen veranstalten.

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